
Die Fichte
Die Fichte ist nach wie vor die wichtigste Baumart in Deutschland, in Bayern und auch im Lamer Winkel. Das liegt vor allem an ihrem schnellen Wachstum, ihrer guten Verarbeitbarkeit und ihrem hohen wirtschaftlichen Wert. In den höheren Lagen Bayerns ist sie zudem eine natürliche Waldbaumart.
Gleichzeitig ist die Fichte jedoch anfällig für verschiedene Schädlinge und Krankheiten. Im Folgenden stellen wir einige der wichtigsten Schädlinge vor – damit Sie frühzeitig erkennen können, was in Ihrem Wald vor sich geht und wie Sie richtig reagieren.
Buchdrucker (Ips typographus)
Der Buchdrucker ist der wichtigste Borkenkäfer an der Fichte und befällt vor allem geschwächte oder frisch geschädigte Bäume, wo er durch seine Massenvermehrung zu raschen Absterbeprozessen führen kann.
Befallsmerkmale:
-
Bohrmehl am Stammfuß und unter Rindenschuppen
-
Harzfluss und kleine Einbohrlöcher
-
Sichtbare Brutgänge unter der Rinde
-
Kronenverfärbung und grüne Nadeln am Boden
-
Rindenabfall trotz noch grüner Krone
-
Spechtabschläge
Entwicklungszeitraum:
-
6 – 10 Wochen (je nach Temperatur)
-
Schwärmflug ab ca. Mitte April
-
Aktivität beginnt ab 16,5 °C
-
Brutaktivität bis ca. Mitte September
Maßnahmen:
-
Regelmäßige Kontrolle
-
Zügige Entnahme und Abfuhr befallener Bäume
-
Saubere Waldwirtschaft: Kronen- und Restholz nicht liegen lassen
-
Sturmholz schnell sichern, da es bevorzugtes Brutmaterial ist
Kupferstecher (Pityogenes chalcographus)
Der Kupferstecher besiedelt vor allem Wipfel- und Randbereiche geschwächter Fichten und verursacht durch seine Brutgänge Kronenverlichtung und Rindenabfall, oft schon bei geringem Befallsdruck.
Befallsmerkmale:
-
Stecknadelgroße Einbohrlöcher (ca. 1 mm)
-
Feines Bohrmehl in Rindenschuppen
-
Befall dünnrindiger Stammbereiche (jüngere Fichten in Stangenhölzern und Durchforstungsmaterial)
-
Ablösende Rinde durch dichte Brutgänge
-
Befall häufig im Wipfel- und Randbereich der Fichte
-
Besonders kritisch in warmen, trockenen Jahren und bei Sturmholz
Entwicklungszeitraum:
-
6 – 10 Wochen (je nach Temperatur)
-
Schwärmflug ab April
-
Aktivität beginnt ab 16,5 °C
-
Brutaktivität bis in Spätsommer
Maßnahmen:
-
Frisches Fichtenholz zügig aufarbeiten und abfahren
-
Polter regelmäßig kontrollieren
-
Kronen- und Restholz nicht liegen lassen
-
Sturmholz schnell sichern
Sirococcus‑Triebsterben (Sirococcus conigenus)
Das Sirococcus‑Triebsterben wird verursacht durch einen Pilz und führt an Fichten zu absterbenden jungen Trieben, braunen Nadeln und hängenden Triebspitzen, besonders in feuchten Frühjahrsperioden und geschwächten Jungbeständen.
Befallsmerkmale:
-
Absterbende junge Triebe
-
Kronenverlichtung von außen nach innen
-
braune oder schwarz verfärbte Nadeln
-
Kleine schwarze Fruchtkörper an Trieben
-
Gekrümmte oder hängende Triebspitzen
Entwicklung:
-
Vor allem bei feuchter Witterung im Frühjahr und Frühsommer
-
Ausbreitung über Sporen, wird bei Nässe leicht übertragen
-
Vor allem in dichten Beständen und geschwächten Jungpflanzen
Maßnahmen:
-
Entnahme der am stärksten betroffenen Bäume
-
Förderung der Bestandesdurchlüftung
-
Standortgerechte Baumartenwahl
-
Eventuell Düngung
-
Vermeidung von Staunässe und zu dichter Pflanzung
Hallimasch (Armillaria spp.)
Hallimasch ist ein Wurzel- und Stockfäulepilz, der geschwächte Fichten über die Wurzeln infiziert und zu Vitalitätsverlust, Harzfluss und Stammfußfäule führt – oft mit großflächigem Absterben.
Befallsmerkmale:
-
Weißliche Myzelfächer unter der Rinde
-
Schwarze Rhizomorphen (Fäden) an Wurzeln und Stammfuß
-
Harzfluss an der Stammbasis
-
Im Anfangsstadium vermindertes Triebwachstum und Kleinblättrigkeit
-
Welkeerscheinungen und frühzeitige Kronenverlichtung
-
Langsames Absterben über Jahre hinweg
Entwicklung:
-
Über Wurzelkontakt und Rhizomorphe
-
Aktivität hoch bei warm-feuchter Witterung und auf geschwächten Standorten
-
Sichtbare Symptome meist im Sommer und Herbst
-
Verursacht häufig Kern- und Stockfäule
Maßnahmen:
-
Stabilisierung der Bestände
-
Förderung der Baumartenmischung
-
Vermeidung von Staunässe
-
Rechtzeitige Entnahme stark geschädigter Bäume
-
Langfristig standortgerechte Baumarten wählen
Gestreifter Nutzholzborkenkäfer (Lineatus)
Der Gestreifte Nutzholzborkenkäfer befällt vor allem geschwächtes Fichtenholz, Kronenmaterial und liegende Stämme und verursacht durch seine feinen Fraßgänge technische Holzschäden sowie Bohrmehlansammlungen an Rinde und Poltern.
Befallsmerkmale:
-
Feines weißes Bohrmehl
-
Kleine Einbohrlöcher
-
Typische Fraßgänge unter der Rinde
-
Vor allem an geschwächtem Holz, Kronenmaterial und liegendem Fichtenholz
-
Technische Holzschäden möglich
Entwicklungszeitraum:
-
mehrere Wochen (je nach Temperatur)
-
Aktivität beginnt ab 12 °C Tagestemperatur
-
Aktiv im Frühjahr und Sommer (ab ca. März)
-
Aktivität vor allem bei warmen Wetter
Maßnahmen:
-
Zügige Holzabfuhr außerhalb des Waldes
-
Nutzung von Lagerorten ohne ortsbrütige Populationen
-
Trockenlagerung von entrindetem Holz oder Nasslagerung
Rotfäule (Heterobasidion annosum)
Die Rotfäule verursacht durch einen Pilz führt zu einer kernholzzerstörende Fäule im Stamm der Fichte, die über Wurzelkontakte oder Verletzungen eindringt und langfristig zu Stabilitätsverlust und Wertminderung führt.
Befallsmerkmale:
-
Wurzel- und Stammfäule mit rotbraunen, faserigen Faulstellen
-
Häufig in älteren Fichtenbeständen und auf warmen, nährstoffreichen Standorten
-
Verminderte Stabilität
-
Erhöhte Windwurfgefahr
-
Reduzierte Holzqualität
Entwicklung:
-
Infektion meist über frische Wurzelverletzungen oder Baumstümpfe
-
Ausbreitung über Wurzelkontakt
-
Kann Jahrzehnte im Boden aktiv bleiben
Maßnahmen:
-
Vermeidung von Wurzelverletzungen
-
Standortgerechte Baumartenwahl
-
Rechtzeitige Nutzung instabiler Bestände
-
Förderung der Mischwaldentwicklung
-
Auf Risikostandorten Fichte langfristig reduzieren