
Die Tanne
Auf die Weißtanne wird in unserer Region derzeit große Hoffnung gesetzt. Sie gilt als klimastabiler, tiefwurzelnder und langfristig wertvoller Baum, der unsere Wälder widerstandsfähiger machen kann.
Doch auch die Tanne ist nicht frei von Risiken. Verschiedene Schädlinge und Krankheiten können ihr zusetzen – besonders in jungen Stadien oder bei ungünstigen Standortbedingungen.
Im Folgenden stellen wir einige der wichtigsten Schädlinge vor, damit Sie frühzeitig erkennen können, was in Ihrem Bestand passiert und wie Sie richtig reagieren.
Nordmanns-Tannentrieblaus (Dreyfusia nordmannianae)
Die Nordmanns‑Tannentrieblaus tritt vor allem an jungen Tannen auf und kann bei starkem Befall das Wachstum beeinträchtigen.
Befallsmerkmale:
-
Gelblich‑verfärbte / nach unten gekrümmte junge Triebe
-
Klebrige Beläge (Honigtau)
-
Rußtaupilze auf Nadeln durch Honigtau
-
Kleine, hellgrüne bis gelbliche Läuse an Trieben und Nadeln
Entwicklung:
-
Aktiv im Frühjahr und Sommer
-
Befall besonders stark bei milder Witterung und geschwächten Jungpflanzen
Maßnahmen:
-
Regelmäßige Kontrolle von Jungbeständen
-
Entnahme und Verbrennung von stark befallenen Tannengruppen (bevorzugt im Winter)
-
Schirm belassen, beim Eingriff nicht zu stark frei stellen
Tannenstammlaus (Dreyfusia piceae)
Die Tannenstammlaus ist ein saugender Schädling, der vor allem an Stamm und stärkeren Ästen sitzt.
Befallsmerkmale:
-
Feines weißes Bohrmehl
-
Weißliche bis graue Verfärbung der Stammoberfläche durch dichten Lausbesatz
-
Stamm wirkt grau bis schwarz (durch Rußtaupilze auf den zuckerhaltigen Ausscheidungen bei mehrjährigem Befall)
-
Kronen werden lichter, Vitalität nimmt ab
-
Besonders betroffen: 40–100‑jährige, oft einstufige Tannenbestände
Entwicklung:
-
Aktiv von Frühjahr bis Herbst
-
Befall nimmt bei Trockenstress und hohen Temperaturen zu
-
Nach 2-3 Jahren Stammlausbefall sind Sekundärschädlinge möglich
Maßnahmen:
-
Standortgerechte, natürliche Verjüngung fördern
-
Stufige Mischbestände anstreben
-
Geschwächte Einzelbäume beobachten und ggf. entnehmen
Mistel (Viscum album)
Die Mistel ist ein Halbschmarotzer, der Wasser und Nährstoffe aus dem Baum zieht. An Tanne kann sie langfristig zu deutlicher Schwächung führen.
Befallsmerkmale:
-
Rundliche, grüne Mistelbüschel im Kronenbereich
-
Verminderter Zuwachs und Kronenverlichtung
-
Erhöhte Anfälligkeit für Sekundärschädlinge
-
Lokale Trockenheitssymptome an befallenen Ästen
Entwicklung:
-
Mistel wächst ganzjährig, breitet sich aber langsam aus
-
Sichtbare Symptome oft erst nach mehreren Jahren
Maßnahmen:
-
Befallene Äste rechtzeitig entfernen (Schnitt bis ins gesunde Holz)
-
Stärkung der Bestandesvitalität
-
Mischwald fördern, um langfristige Stabilität zu erhöhen
-
Regelmäßige Kontrolle besonders in älteren Tannenbeständen
Hallimasch (Armillaria spp.)
Befallsmerkmale:
-
Weißliche Myzelfächer unter der Rinde
-
Schwarze Rhizomorphen (Fäden) an Wurzeln und Stammfuß
-
Harzfluss an der Stammbasis
-
Im Anfangsstadium vermindertes Triebwachstum und Kleinblättrigkeit
-
Welkeerscheinungen und frühzeitige Kronenverlichtung
-
Langsames Absterben über Jahre hinweg
Entwicklung:
-
Über Wurzelkontakt und Rhizomorphe
-
Aktivität hoch bei warm-feuchter Witterung und auf geschwächten Standorten
-
Sichtbare Symptome meist im Sommer und Herbst
-
Verursacht häufig Kern- und Stockfäule
Maßnahmen:
-
Stabilisierung der Bestände
-
Förderung der Baumartenmischung
-
Vermeidung von Staunässe
-
Rechtzeitige Entnahme stark geschädigter Bäume
-
Langfristig standortgerechte Baumarten wählen
krummzähniger Tannenborkenkäfer (Cryphalus piceae)
Befällt vor allem geschwächte oder absterbende Weißtannen, bei Massenvermehrung auch gesunde Bäume.
Befallsmerkmale:
-
Feines braunes Bohrmehl am Stamm
-
Harzfluss
-
Kleine Einbohrlöcher
-
Nadelverfärbungen bis hin zur deutlichen Nadelverrötung
-
Spechtabschläge an der Rinde
-
Befall beginnt oft in der Wipfelregion und wandert stammabwärts
-
Typisches „liegendes H“-Brutbild unter der Rinde
Entwicklung:
-
Hauptflugzeit ab März/April
-
Meist 2 Generationen pro Jahr
Maßnahmen:
-
Schnelle Aufarbeitung von geschädigtem Holz
-
Regelmäßige Kontrolle von Poltern und Randbereichen
-
Geschwächte Tannen frühzeitig entfernen
-
Standortgerechte Verjüngung fördern
Tannensterben / Trockenstress
Die Weißtanne reagiert empfindlich auf länger anhaltende Trockenperioden. In den letzten Jahren zeigt sich im Lamer Winkel zunehmend ein komplexes Schadbild, das nicht durch einen einzelnen Erreger entsteht, sondern durch Wassermangel, Hitze und Folgeschädlinge ausgelöst wird.
Befallsmerkmale:
-
Kronenverlichtung und gelbliche Nadeln
-
Reduzierter Zuwachs, schütterer Wipfel
-
Absterbende Feinwurzeln, verminderte Wasseraufnahme
-
Harzfluss an Stamm und Ästen
-
Erhöhte Anfälligkeit für Hallimasch, Rotfäule, Tannenborkenkäfer und Lineatus
Entwicklung:
-
Über mehrere Vegetationsperioden hinweg
-
Besonders kritisch: heiße und trockene Sommer, niederschlagsarme Winter, flachgründige oder verdichtete Standorte
-
Symptome zeigen sich oft zeitverzögert
Maßnahmen:
-
Bestandesstabilität erhöhen (Durchforstung, Konkurrenzdruck reduzieren)
-
Mischwald fördern, um Stressanfälligkeit zu senken
-
Bodenpflege: Humusaufbau, Vermeidung von Verdichtung
-
Regelmäßige Kontrolle auf Folgeschädlinge (Hallimasch, Borkenkäfer)
-
Stark geschwächte Einzelbäume frühzeitig entnehmen, um Sekundärbefall zu verhindern
Tannenkrebs
Pilzkrankheit, die vor allem Weißtannen befällt und zu Rindennekrosen, Krebswucherungen und langfristiger Schwächung der betroffenen Bäume führt.
Befallsmerkmale:
-
Rötliche bis bräunliche Rindenverfärbungen, später eingesunkene Nekrosen
-
Krebsartige Wucherungen an Stamm und Ästen
-
Harzfluss an frischen Infektionsstellen
-
Absterben einzelner Äste, später Kronenverlichtung
Entwicklung:
-
Infektion über Verletzungen, Frostschäden oder Schädlingsbefall
-
Pilz breitet sich langsam im Rinden‑ und Kambialbereich aus
-
Mehrjährige Entwicklung: von kleinen Nekrosen zu großen Krebsstellen
-
Geschwächte Tannen sind besonders anfällig – v.a. nach Trockenstress, Sturmereignissen oder Stammlausbefall
Maßnahmen:
-
Regelmäßige Kontrolle geschwächter Tannen
-
Befallene Bäume entnehmen, wenn Nekrosen großflächig sind oder Sekundärschädlinge auftreten
-
Saubere Waldwirtschaft (Windwürfe und Bruchholz zeitnah aufarbeiten; Verletzungen an Jungtannen vermeiden)
-
Stabile, stufige Mischbestände fördern
-
Keine übermäßige Auflichtung